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Wie wird eine Demenz diagnostiziert?

Die Abklärung einer Demenz in einem frühen Krankheitsstadium ist in der Regel ein mehrstufiger Prozess, bei dem unterschiedliche Untersuchungsmethoden eingesetzt werden, um eine sichere Diagnose stellen zu können.

Folgende Fragen müssen dabei beantwortet werden:

  • Hat sich die kognitive Leistungsfähigkeit im Gegensatz zu früher tatsächlich verschlechtert?

  • Sind die Symptome so gravierend, dass ein begründeter Verdacht auf eine Demenzerkrankung besteht, oder handelt es sich z. B. um eine leichte kognitive Störung, bei der nur die Merkfähigkeit beeinträchtigt ist?

  • Werden die Symptome möglicherweise durch eine andere Krankheit verursacht, wie z. B. eine Depression, Stoffwechselerkrankung, Infektion, den Missbrauch von Alkohol oder Nebenwirkungen von Medikamenten?

  • Um welche Demenzform handelt es sich? (z. B. Alzheimer-Demenz, vaskuläre Demenz, Lewy-Body-Demenz)

  • Wie weit ist die Erkrankung bereits fortgeschritten? Welche medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapien sind in diesem Krankheitsstadium am besten geeignet, den weiteren Verlauf positiv zu beeinflussen?

Ihr Hausarzt bzw. Ihre Hausärztin kann in der Regel durch einfache Untersuchungen klären, ob die Symptome krankheitswertig sind oder nicht. Dazu gehört ein ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen und Angehörigen bzw. nahestehenden Personen, die mit der Situation gut vertraut sind. Ihr Arzt bzw. Ihre Ärztin wird dann verschiedene körperliche Untersuchungen, eine Blutanalyse und wahrscheinlich auch einen kurzen Test zur Überprüfung des Gedächtnisses durchführen.

Bei einem auffälligen oder unklaren Befund sollte immer eine genauere Abklärung durch zusätzliche Untersuchungen bei den entsprechenden Fachärzten oder in einer spezialisierten Gedächtnisambulanz erfolgen. Hier arbeiten Fachleute aus verschiedenen Disziplinen eng zusammen, z. B. Psychiater, Neurologen, Psychologen und Geriater.

Untersuchungsverfahren

Zu den wichtigsten Untersuchungsverfahren gehören:

  • Bildgebende Verfahren: Darunter versteht man Techniken wie die Computertomograhie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT), die die anatomische Struktur des Gehirns im Querschnitt abbilden und Veränderungen, die charakteristisch für eine Demenz sind, sichtbar machen können. In Einzelfällen, z. B. bei Verdacht auf eine seltene Demenzform, werden auch aufwändigere, sogenannte funktional bildgebende Verfahren eingesetzt, die Stoffwechselprozesse im Gehirn bildlich darstellen und wichtige zusätzliche Informationen liefern können (PET, SPECT).

  • Neuropsychologische Verfahren: Neuropsychologische Tests spielen eine zentrale Rolle bei der Abklärung eines Demenzverdachts, der Bestimmung des Demenz-Schweregrades, der Differentialdiagnostik sowie der Therapieplanung. Mit den eingesetzten Testverfahren werden gezielt verschiedene kognitive Funktionen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, Orientierung, Denkfähigkeit oder die Bewältigung komplexer Situationen überprüft.

Wenn die Ergebnisse aller Untersuchungen vorliegen, kann eine Demenz sicher diagnostiziert werden. Die Demenzform dagegen
lässt sich heute zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit, aber nicht mit absoluter Sicherheit bestimmen; das ist nur durch eine Autopsie möglich.

Warum ist eine frühe Diagnose so wichtig?

Ein wichtiges Ziel der Frühdiagnostik ist der Ausschluss anderer, ursächlich behandelbarer Erkrankungen: Demenztypische Symptome wie Gedächtnisstörungen, Schwierigkeiten bei der Alltagsbewältigung, Orientierungsprobleme oder Stimmungsveränderungen können auch als Begleitsymptome verschiedener psychiatrischer, neurologischer oder internistischer Krankheiten auftreten.

Wird dagegen eine Demenz diagnostiziert, lassen sich die Symptome mit den zur Verfügung stehenden medikamentösen und nicht medikamentösen Therapien umso wirksamer behandeln, je eher damit begonnen wird: Ein frühzeitiger Behandlungsbeginn sowie eine konsequente Therapie können nachweislich den Krankheitsverlauf verzögern, und verbessern zumeist deutlich die Lebensqualität.

Wird eine Demenz bereits im Anfangsstadium als solche erkannt, hat die betroffene Person ausreichend Zeit, sich über ihre Erkrankung zu informieren und mit der Diagnose auseinanderzusetzen, solange sie dazu noch kognitiv in der Lage ist. Sie kann gemeinsam mit ihren Angehörigen nach einem für alle Beteiligten gangbaren Weg suchen, der ihnen hilft, mit den vorhandenen und zukünftigen Einschränkungen so gut wie möglich zurechtzukommen; und es ist für sie jetzt auch noch möglich, selbständig die notwendigen Entscheidungen für die Zeit treffen, in der sie zunehmend abhängiger von der Unterstützung und Betreuung anderer Menschen werden wird.

Autorin: Mag.a Isabel Flamme , Klinische und Gesundheitspsychologin im Haus für Senioren Wels